Wie leitet man AI-Coding Workshops am besten?
- Timon Fiddike
- AI-Coding
- 07 Oct, 2026
Geschrieben von Fachexperten:
Timon Fiddike, CSTÂź, Machine Learning seit 2005
Zusammenfassung
Nachdem ich ganz verschiedene AI-Coding Workshops leiten durfte, erörtere ich hier die 10 wichtigsten Erfolgsfaktoren. Ein Faktor wird leicht ĂŒbersehen: Schon vor dem Workshop brauchen die Mitarbeitenden durch eigene FĂŒhrungskrĂ€fte Orientierung in Bezug darauf, wie mögliche ProduktivitĂ€tsgewinne sich spĂ€ter auswirken werden.
Inhalt
- Hintergrund
- Eigenschaften von AI-Coding Workshops
- Anzahl der Teilnehmenden
- Hierarchie-Ebene der Teilnehmenden
- Vor Ort, hybrid, vollstÀndig remote
- Art der Coding Agenten: CLI vs IDE
- Betriebssysteme
- Legacy Code oder Neuentwicklung
- Tech-Stack
- Anteil ErklĂ€rung vs. âAusprobieren lassenâ
- Anteil Diskussion unter den Teilnehmenden
- Umgang mit Widerstand und Ăngsten
- Zusammenfassung
Hintergrund
Mittlerweile habe ich ganz verschiedene AI-Coding Workshops geleitet, mit einer Dauer von 1, 2 und 3 Tagen, mit groĂen Gruppen, kleinen Gruppen und 1:1, remote, vor Ort und Hybrid. Beim AI-Camp Berlin und auf der P4A 2026 habe ich dann jeweils zu einer Session eingeladen, um mit anderen Workshopleitern gemeinsam zu reflektieren, wie man AI-Coding Workshops im besten Fall leitet.
Absprachen mit den jeweiligen Kunden geben natĂŒrlich den Rahmen vor, aber: In einigen Bereichen habe ich schon den Eindruck, dass sich âGood Practicesâ oder sogar âBest Practicesâ herauskristallisieren, die ich bei der Gestaltung zukĂŒnftiger Workshops einbeziehen werde und in der gemeinsamen Vorbereitung mit Kunden empfehlen werde.
Eigenschaften von AI-Coding Workshops
Meine bisherigen AI-Coding Workshops waren sehr unterschiedlich in Bezug auf die folgenden Eigenschaften:
- Anzahl der Teilnehmenden (1-10)
- Hierarchie-Ebene der Teilnehmenden (Dev, Teamleiter, Abteilungsleiter, CTO)
- vollstÀndig vor Ort, hybrid, vollstÀndig remote
- Art der Coding Agenten: CLI vs IDE
- Betriebssysteme der Teilnehmenden (macOS, Windows, Linux)
- Legacy Code oder Neuentwicklung
- Tech-Stack (von PHP bis .NET, Webservice bis Smartphone App)
- Anteile ErklĂ€rung vs. âAusprobieren lassenâ
- Anteil Diskussion unter den Teilnehmenden
- Widerstand und Umgang mit Ăngsten
Diese Eigenschaften haben durchaus unterschiedlich viel Bedeutung:
Anzahl der Teilnehmenden
In meinen 1:1 Workshops war es fĂŒr mich besonders leicht, mich auf den Bedarf der jeweils teilnehmenden Personen einzustellen.
Nun könnte man denken, dass der Bedarf der Teilnehmenden eher heterogener wird, je gröĂer die Gruppe wird, oder das natĂŒrlicherweise mehr Diskussionen aufkommen, wenn mehr Personen beteiligt sind. Diese Gedanken wĂ€ren naheliegend, tatsĂ€chlich habe ich diese ZusammenhĂ€nge aber so nicht beobachtet, sondern:
Ich habe gröĂere Gruppen erlebt, die sehr diskussionsfreudig waren, und andere gröĂere Gruppen, die mit kurzen Diskussionen sehr zielgerichtet gearbeitet haben. Relativ zur GruppengröĂe sind also andere Eigenschaften der Gruppe bedeutsamer.
Hierarchie-Ebene der Teilnehmenden
Neben hauptberuflichen Entwicklern haben auch Teamleiter und Abteilungsleiter an meinen Workshops teilgenommen, in einem Fall auch ein CTO.
Nun könnte man denken, dass Personen, die seit Jahren nicht mehr hauptberuflich entwickeln, Schwierigkeiten hĂ€tten, in solchen Workshops zu folgen. TatsĂ€chlich habe ich das Gegenteil beobachtet: FĂŒhrungspersonen haben zwar nicht unbedingt alle relevanten technischen Details prĂ€sent, dafĂŒr können sie gut abstrahieren und Anweisungen geben. In der Arbeit mit Agenten sind die FĂŒhrungsfĂ€higkeiten von Teilnehmenden sehr wertvoll.
Vor Ort, hybrid, vollstÀndig remote
Die Workshops, die entweder vollstÀndig vor Ort oder vollstÀndig remote stattgefunden haben, habe ich jeweils als besonders produktiv erlebt.
Vor Ort konnten wir uns vollstÀndig auf die Arbeit mit den Agenten konzentrieren.
Remote mussten wir natĂŒrlich auch die Werkzeuge fĂŒr die Videokonferenz und so weiter berĂŒcksichtigen, dies war jedoch fĂŒr alle Beteiligten einheitlich, und rĂŒckte schnell in den Hintergrund. In beiden FĂ€llen konnten wir uns leicht auf die produktive Arbeit konzentrieren.
Hybrid gab es am meisten Reibung, und die BeschĂ€ftigung mit Fragen des Raumes und der Videokonferenz und so weiter brauchte mehr Aufmerksamkeit als in den oben genannten Settings. In manchen Momenten ist es hilfreich, mit der gesamten Gruppe einen gemeinsamen Fokus zu haben, in anderen Momenten arbeiten wir parallel in Kleingruppen. In den âvollstĂ€ndig vor-Ortâ / âvollstĂ€ndig remoteâ Settings kann man als Leiter eines Workshops zunĂ€chst einmal alle Teilnehmer einheitlich betrachten. Menschen haben zwar verschiedene FĂ€higkeiten, aber alle haben die gleichen Möglichkeiten, miteinander zu interagieren. Im Hybrid Setting kommen hier weitere Fragen und BeschrĂ€nkungen auf:
In einem Workshop habe ich z.B. wie gewohnt vorgeschlagen, dass beim Bilden von Paaren oder Kleingruppen jeweils mindestens eine Person in der Kleingruppe vor Ort ist, weil das fĂŒr schnelle Absprachen wĂ€hrend der parallelen Arbeit erfahrungsgemÀà hilfreich ist. Die vor Ort prĂ€senten Personen haben dann aber angemerkt, dass sie extra angereist sind, um die Chance zu haben, direkt mit Kollegen zu interagieren, die sie sonst auch immer nur am Bildschirm sehen, und dass sie wirklich sehr gerne Kleingruppen bilden möchten, die ausschlieĂlich aus Personen vor Ort bestehen. So entstand letztlich eine Konstellation, in der Kleingruppen, entweder ausschlieĂlich vor Ort, oder ausschlieĂlich remote interagiert haben. GrundsĂ€tzlich kann das alles sehr gut funktionieren, aber wer schon einmal eine solche Konstellation von Menschen geleitet hat, kann wahrscheinlich nachvollziehen, dass hierdurch zusĂ€tzliche Reibungspunkte entstehen, und es fĂŒr die Gesamtgruppe einfach schwieriger wird, sich selbst zu organisieren. Hier ist dann umso mehr der Workshop Leiter gefragt, um (im Rahmen der Möglichkeiten) zu kompensieren.
Hier handelt es sich also um einen bedeutsamen Unterschied, und sofern irgend möglich, möchte ich in Zukunft entweder vollstÀndig vor Ort, oder vollstÀndig Remote arbeiten.
Art der Coding Agenten: CLI vs IDE
Da ich mich Anfang 2025 intensiv in die Arbeit mit Agenten gestĂŒrzt habe, und damals Cursor verwendet habe, einfach, weil es das mit Abstand populĂ€rste Tool fĂŒr agentisches Coding war, habe ich zunĂ€chst unterschĂ€tzt, wie viel Widerstand bei Menschen aufkommt, wenn man eine neue IDE anbietet.
Ich habe selbst lange auch mit einer IntelliJ IDE gearbeitet, aber nachdem ich bei einer Demonstration eines erfahrenen Kollegen sehen durfte, was er mit Cursor geleistet hat, habe ich mich bereitwillig an die Kombination von Agent und VSCode gewöhnt.
Nun sind die verschiedenen Menschen in einer Gruppe von Teilnehmenden ggf. ganz unterschiedlich motiviert: Mindestens eine Person ist sehr motiviert, und hat organisiert, dass der Workshop ĂŒberhaupt stattfindet. Bei allen anderen kann es durchaus unterschiedliche Motivationsgrade geben.
BezĂŒglich Cursor habe ich tatsĂ€chlich zu einer Zeit, als es weiterhin sehr populĂ€r war, (und noch vor der Ăbernahme durch xAI) erlebt, dass sehr viel Widerstand aufkommt, bei der Vorstellung, die eigene liebgewonnene IDE ausnahmsweise beiseite zu lassen.
Die Ablehnung ging in einem Fall soweit, dass jemand die Verwendung von Cursor in einem Worskop kurfristig verhindert hat, mit dem Argument, dass IntelliJ Produkte von Jetbrains aus der EU stammen und somit akzeptabel sind, wĂ€hrend Cursor aus DatenschutzgrĂŒnden auf keinen Fall verwendet werden darf, obwohl im konkreten Fall im Hintergrund in beiden FĂ€llen ĂŒberwiegend die Claude Modelle von Anthropic verwendet wurden. Der interne Konflikt endete spĂ€ter mit dem Ergebnis, dass unter bestimmten Voraussetzungen auch Cursor verwendet werden darf, aber fĂŒr den Workshop mussten wir ersteinmal auf andere Tool ausweichen.
Ich habe zwar einen Moment gebraucht, um dies einzusehen, aber: wenn sich Menschen ohnehin schon auf sehr viel Neues einlassen, was in der Arbeit mit Agenten aufkommt, hilft es, wenn man zumindest ein gewohntes Werkzeug vor sich hat, mit gewohntem Aussehen, und mit den gewohnten Tastenkombinationen und anderen Handgriffen voraussehbare Reaktionen erleben kann.
Seit ich in meinen AI-Coding Workshops primĂ€r mit CLI Tools wie Claude Code arbeite, ist die Akzeptanz fĂŒr diese neuen Werkzeuge sprunghaft angestiegen. Das neue (CLI) ist dann offensichtlich eine mögliche ErgĂ€nzung des bestehenden (IDE). Man kann seine bestehende IDE behalten und das neue Werkzeug sogar in einem Terminalfenster der vertrauten IDE bedienen. FĂŒr viele Kombinationen von IDE und Agent gibt es auch Plugins fĂŒr besonders gute Integration, aber unabhĂ€ngig davon, ob das der Fall ist, durfte ich regelmĂ€Ăig beobachten, dass es sehr viel hilft, wenn das Neue zumindest nichts Bestehendes verdrĂ€ngt und klar als ErgĂ€nzung wahrgenommen wird.
Betriebssysteme
Mit macOS und Linux hat bisher die Arbeit mit den Agenten aus dem Stand gut funktioniert.
Die Arbeit mit Windows ist tendenziell komplizierter. Schon vor dem betreffenden Workshop waren mir Beispiele bekannt, die sich auf bestimmte Paketmanager, Frameworks oder Bibliotheken aus dem JS / nodeJS Ăkosystem bezogen haben. In solchen FĂ€llen wurde dann auf das âLinux Subsystem fĂŒr Windowsâ ausgewichen.
In einem Workshop tauchten mit Windows aber noch ganz andere Herausforderungen auf: Einerseits hatte die betroffene Person recht viele Rechte und Möglichkeiten auf dem lokalen GerĂ€t und konnte z.B. selbst nach Belieben Software installieren. Andererseits war auf dem dort verwendeten GerĂ€t eine besondere RechtebeschrĂ€nkung aktiv, die z.B. schon in einem ersten harmlosen Beispiel (VerĂ€nderung der Statuszeile von Claude Code) zu Komplikationen gefĂŒhrt hat. Das Aufrufen von externen Tools durch Claude Code hat in einigen FĂ€llen zu âsilent errorsâ gefĂŒhrt, also Versagen ohne Fehlercode und ohne Fehlermeldung. Eine kurze Recherche hat bestĂ€tigt, dass dies typische Symptome des betreffenden Sicherheitssystems sind. FĂŒr unsere weitere Arbeit war es hilfreich, diesen Umstand schon frĂŒh zu bemerken und in der Folge immer im Hinterkopf zu haben.
Menschen Àndern nicht so leicht ihr Betriebssystem, aber falls es Windows ist, bin ich nun zumindest vorsichtig und versuche um so mehr, in der Vorbereitungphase adÀquate Erwartungen zu wecken.
Legacy Code oder Neuentwicklung
Meistens wollten Kunden bisher möglichst direkt mit ihrem Legacy Code arbeiten und bei meinen ersten Workshops habe ich dem auch nachgegeben. Im Einzelfall hat das Wort âLegacy Codeâ natĂŒrlich ggf. eine sehr verschiedene Bedeutung.
- Wenn ein bekanntes Framework verwendet wurde, kann der Agent sich ggf. auch in sehr altem Code gut zurecht finden.
- Ohne Framework, automatisierte Tests usw. wird es fĂŒr Agenten schwieriger und es besteht das Risiko, viel Zeit (und viele Tokens) mit dem Suchen nach den relevanten Stellen im Code zu verbringen. Die Probleme sind i.d.R. lösbar. u.a. auch durch bessere Anweisungen an die Agenten, aber es gibt eben eine gewisse EinstiegshĂŒrde.
In einem meiner AI-Coding Workshops gab es von vornherein den Wunsch, ein Feature komplett neu zu entwickeln. Es war fĂŒr mich erfrischend, zu sehen, wie leicht das gelingt (in der vorgegebenen Struktur, mit automatisierten Tests usw.).
SchlieĂlich habe ich von einem Kollegen eine Idee aufgenommen, an der ich mich fĂŒr die Zukunft auch orientieren werde. Im Nachhinein erscheint die Idee sehr naheliegend:
- Tag 1 Neuentwicklung mit dem Ziel-Stack, aber auf der grĂŒnen Wiese (âGreen Fieldâ).
- Tag 2 Legacy AI-Coding (âBrown Fieldâ)
Durch diese Vorgehensweise verschwinden zwar nicht die Probleme des Legacy Codings, aber bevor man an den gröĂeren Herausforderungen arbeitet, kann man auf der grĂŒnen Wiese zumindest schon die Werkzeuge kennenlernen und Mechanismen zum Steuern der Werkzeuge erproben, was dann unmittelbar auch den Umgang mit dem Legacy Code erleichtert.
Ich bin natĂŒrlich weiterhin dafĂŒr offen, mit Kunden das zu tun, was sie tun möchten. Ich werde aber zumindest engagiert dafĂŒr plĂ€dieren, einen gröĂeren Teil der Zeit fĂŒr das Eingewöhnen in die Werkzeuge in einem Neuentwicklungsszenario zu nutzen.
Tech-Stack
ZufĂ€llig hat sich ergeben, dass ich meine ersten AI-Coding Workshops mit Teams gemacht habe, deren Technik Stack mir zu groĂen Teilen aus meiner eigenen Arbeit als Entwickler vertraut war. Dadurch konnte ich bis in die Details mitreden und zum Teil auch sehr technische VorschlĂ€ge machen.
Dann habe ich zum ersten Mal einen Workshop gegeben, in dem ein gĂ€nzlich anderer Technik-Stack verwendet wurde. Dabei kam unter anderem C# mit .NET auf Windows zum Einsatz. Da mir Sprache, Framework und Betriebssystem nicht vertraut waren, habe ich mich auf die Steuerung der Agenten konzentriert, und das hat letztlich sehr gut funktioniert. Voraussetzung ist natĂŒrlich, dass die Teilnehmenden ihren eigenen Tech-Stack gut kennen, und zumindest die geeigneten AI-Coding Tools installieren können. Von da an ist der exakte Stack dann, meiner aktuellen Erfahrung nach, weniger bedeutsam.
Anteil ErklĂ€rung vs. âAusprobieren lassenâ
Da ich eine ganze Menge Erfahrung und Hintergrundwissen mitbringe und auch schon die Chance hatte, dies zum Teil in Form von Frames in Miro aufzubereiten, kann ich allerlei in Form eines interaktiven Vortrags erklĂ€ren. Und natĂŒrlich ist es sinnvoll, bestimmte Ideen und ZusammenhĂ€nge zu verstehen, bevor man anfĂ€ngt, wild herum zu probieren âŠ
Ehrlicherweise möchte ich zugeben, dass ich den Vortragsteil in den ersten Workshops lĂ€nger gemacht habe, als ich es im Nachhinein betrachtet fĂŒr sinnvoll halte. Zum Teil wurde das auch dadurch befeuert, dass WiderstĂ€nde bei einzelnen Personen zu Diskussionen innerhalb des betreffenden Teams gefĂŒhrt haben. Aber fairerweise habe ich eine ganze Menge erklĂ€rt, auch wenn es keine besonderen Konflikte gab.
In meinem letzten Workshop habe ich den initialen ErklĂ€rungsteil auf eine Stunde reduziert, und andere Teile erst bei Bedarf, und sehr kurz, angebracht, so dass der allergröĂte Teil der Zeit fĂŒr das praktische Erproben der Werkzeuge und eigenes Coding zur VerfĂŒgung stand. Nachdem ich nun genug Material habe, und so gut damit vertraut bin, so dass ich auch spontan immer noch mit Material erklĂ€ren kann, werde ich in Zukunft auch wieder mit einer kurzen initialen ErklĂ€rung einsteigen, und weitere Teile erneut erst bei Bedarf bereitstellen.
Anteil Diskussion unter den Teilnehmenden
Diskussionen unter den Teilnehmenden können natĂŒrlich wertvoll sein, aber nicht jede Diskussion ist gleichermaĂen wertvoll:
Als Beispiel fĂŒr eine (fĂŒr die Teilnehmenden) weniger wertvolle Diskussion, möchte ich den Fall anfĂŒhren, dass nach vorheriger Absprache mit meinen Ansprechpartnern, bestimmte Agenten und Modelle fĂŒr den Workshop ausgewĂ€hlt wurden, diese dann jedoch kurzfristig im Workshop noch infrage gestellt und ausfĂŒhrlich diskutiert wurden. Diese Diskussion war in diesem Moment begrenzt wertvoll, weil relevante Personen nicht anwesend waren und die vorlĂ€ufige Entscheidung dann am Folgetag durch eine weitere Person wieder revidiert wurde. NĂŒtzlicher wĂ€re gewesen, das Thema entweder vorab schon abschlieĂend zu klĂ€ren, oder ansonsten zumindest die Diskussion auf einen Zeitpunkt zu vertagen, zu dem die relevanten Entscheider einbezogen werden können. Einerseits mĂŒssen Konflikte innerhalb des Kundenunternehmens nicht primĂ€r mein Thema sein, wenn ich fĂŒr ein technisches Thema beauftragt werde, andererseits möchte ich natĂŒrlich, dass die gemeinsame Zeit so gut wie möglich genutzt wird, und versuche entsprechend, mein Möglichstes dafĂŒr zu tun, dass wir produktiv arbeiten können.
In allen nachfolgenden Workshops habe ich in der AuftragsklĂ€rung umso mehr darauf geachtet, dass verschiedene Beteiligte eingebunden werden, und eine absehbar tragfĂ€hige Entscheidung bezĂŒglich der Agenten und Modelle schon vor dem Start des Workshops gefĂ€llt wird.
Umgang mit Widerstand und Ăngsten
Bei einem Kundenunternehmen formulierte ein Entwickler gegenĂŒber Kollegen seine BefĂŒrchtungen bzgl. des Umstiegs auf AI-Coding sinngemÀà wie folgt: âWenn das wirklich funktioniert, sind wir alle arbeitslosâ.
Solche Ăngste in Bezug auf die EinfĂŒhrung von AI Tools sind rational berechtigt. AI kann nicht unbedingt jede Art von Arbeit erleichtern oder ersetzen, aber speziell AI-Coding funktioniert tatsĂ€chlich hervorragend, wenn man systematisch vorgeht. FĂŒr Entwickler ist es also naheliegend, sich zu Fragen, ob es fĂŒr mehr KapazitĂ€t in der Entwicklung dann auch mehr AuftrĂ€ge gibt oder ggf. ein Teil der Mitarbeiter absehbar entlassen werden soll.
Seitdem habe ich mit verschiedenen Kunden durchaus unterschiedliche Erfahrungen in diesem Bereich gemacht. ZusĂ€tzlich hatte ich die Gelegenheit, mich auf Konferenzen, u.a. dem AI-Camp Berlin, mit anderen Leitern von AI-Coding Workshops auszutauschen. Die FĂŒhrung verschiedener Unternehmen geht sehr unterschiedlich proaktiv mit der Frage um, welche Konsequenzen mögliche ProduktivitĂ€sgewinne fĂŒr die Belegschaft haben werden:
- Extrembeispiel 1: das Thema wird vorab ĂŒberhaupt nicht adressiert, sondern erst, wenn WiderstĂ€nde aufkommen
- Extrembeispiel 2: 20 % der BeschÀftigten werden entlassen, von den verbleibenden Mitarbeitern wird erwartet, mit Hilfe von AI-Tools den Verlust wieder auszugleichen
Beide Beispiele sind tatsÀchlich so vorgekommen, als glanzvoller habe ich das folgende balanciertere Beispiel erlebt:
Bei einem meiner Kunden, einer Digitalagentur, hat sich eine höhere FĂŒhrungskraft, rechtzeitig vor dem geplanten AI-Coding Workshop, in einem regelmĂ€Ăigen internen Termin vor Ort, an alle betroffenen Mitarbeiter gewendet: Er hat klar mitgeteilt, dass das Risiko besteht, dass die Firma als Ganzes, ohne den umfangreichen systematischen Einsatz von AI-Coding, absehbar nicht mehr konkurrenzfĂ€hig sein wird. Um diese BefĂŒrchtung zu untermauern, hat er vorab bereits selbst per Vibe Coding ein Beispielprodukt erstellt und in seinem Vortrag demonstriert. Es gab dabei keinen Anspruch an eine wartbare Architektur usw., wohl aber ein Produkt, das von auĂen betrachtet bestehenden Produkten Ă€hnelt, aber innerhalb von Stunden entstanden ist (und nicht innerhalb von Monaten).
Wichtig war in diesem Zusammenhang die Mitteilung, dass es bei der EinfĂŒhrung darum geht, die Firma konkurrenzfĂ€hig zu halten, und gleichzeitig alle bestehenden Mitarbeiter weiter bei der Firma zu behalten. Der Workshop mit diesen Mitarbeitern war besonders produktiv. Wie in jedem Workshop gab es auch hier berechtigte Bedenken, gleichzeitig konnten diese auf sachlich produktive Art diskutiert werden, ohne dass eine groĂe, emotionale Ladung involviert war.
Proaktiver Umgang mit möglichen Ăngsten der Entwickler ist somit meiner Erfahrung nach ein besonders wichtiges Thema, das frĂŒhzeitig Aufmerksamkeit der FĂŒhrungskrĂ€fte verdient.
Zusammenfassung
Zwei Dinge sind im Zusammenhang mit AI-Coding Workshops besonders wichtig:
Schon vor dem Workshop brauchen die Mitarbeitenden durch eigene FĂŒhrungskrĂ€fte Orientierung in Bezug darauf, wie mögliche ProduktivitĂ€tsgewinne sich spĂ€ter auswirken werden. Sollen Mitarbeitende entlassen werden oder gibt es mehr AuftrĂ€ge, die zu erfĂŒllen sind? Wenn dieses Thema nicht proaktiv adressiert wird, machen sich die Mitarbeitenden eigene Gedanken, was in der Regel verschiedene BefĂŒrchtungen und GerĂŒchte nĂ€hrt
Innerhalb der Workshops setzte ich mittlerweile auf kurze ErklĂ€rungblöcke, sowohl zu Beginn, als auch und unterwegs bei Bedarf. Der gröĂte Teil der Zeit wird zum systematischen Erarbeiten des Umgangs mit Werkzeugen und Vorgehensweisen genutzt.
Hilfreich ist es zudem, mit Hilfe des Ziel-Stacks zunÀchst eine Neuentwicklung zu erproben und sich erst im Anschluss daran mit gegebenenfalls vorhandenem Legacy Code auseinander zu setzen.
Reflexion, Einladung und Angebot
- Hast Du als Entwickler konkrete Ideen fĂŒr Deinen eigenen Weg bekommen?
- Hast Du als FĂŒhrungskraft einen Eindruck gewonnen, welche Schritte Deine Mitarbeiter gehen könnten? Denkst Du darĂŒber nach, ihnen andere Impulse und UnterstĂŒtzung anzubieten als bisher?
- Hast Du einen ersten Eindruck von mir?
Nimm Kontakt mit mir auf, wenn Du Dich fĂŒr einen Impulsvortrag (mit Coding Demo) oder Workshop interessierst! Lass uns gemeinsam ĂŒberlegen, welche Art von UnterstĂŒtzung fĂŒr Euch hilfreich sein kann:
Unten auf der Seite Kontakt kannst Du Dir direkt per Calendly einen Termin fĂŒr ein ErstgesprĂ€ch aussuchen (unverbindlich und kostenlos).
Ăber den Autor

Dr. Timon Fiddike
- Seit 2010 auf dem Pfad der AgilitÀt
- Seit 2005 KI, AI, Machine Learning, siehe Werdegang
- Erfahrung als Entwickler im Team, Product Owner, Scrum Master, GeschĂ€ftsfĂŒhrer und Coach
- Höchste Zertifizierung: Certified Scrum TrainerÂź (weltweit ca. 220 Personen) fĂŒr die Scrum AllianceÂź
- Erfahrung in Startup, Mittelstand & Konzern
- Integraler Coach â Ausbildung nach ICF ACTH-Standard
- UnterstĂŒtzt mit Begeisterung das menschliche Wachstum, das agile Arbeit ermöglicht
- GeschĂ€ftsfĂŒhrer Agile.Coach GmbH & Co. KG
